EU Peer Reviews im Zivilschutz

Mitten drin statt nur dabei: Das INT begleitet EU Peer Reviews im Zivilschutz

 

Wie funktioniert der Zivilschutz in anderen Ländern? Wie kann man einen Analyserahmen für ein so komplexes System mit seinen verschiedenen Prozessen erstellen? Und wie kann man gute Praktiken und Verbesserungspotenziale erkennen? Diesen und vielen weiteren spannenden Fragen widmete sich das Geschäftsfeld Öffentliche Technologie- und Innovationsplanung (TIP) des Fraunhofer INT im Rahmen eines Projektes für die Europäischen Kommission, Generaldirektion Europäischer Katastrophenschutz und humanitäre Hilfe (DG ECHO).

Spätestens seit den Waldbränden in Schweden in 2018 ist der EU-Zivilschutzmechanismus (UCPM) auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Der Mechanismus setzt aber nicht nur auf die Hilfe im Notfall, sondern fördert auch den Erfahrungsaustausch und die Weiterentwicklung von nationalen Zivil- und Katastrophenschutzsystemen. Dazu gibt es unter anderem seit 2013 das Peer Review Verfahren. In diesem besuchen Experten aus verschiedenen Ländern ein anderes Land. Anhand ihrer Erfahrung sollen sie eine unabhängige Einschätzung abgeben, was gut läuft und wo Verbesserungspotenzial besteht. Dabei stehen das gegenseitige Lernen und der Erfahrungsaustausch im Vordergrund, die Begegnung findet auf Augenhöhe statt.

Im „Programme for peer reviews in the framework of EU cooperation on civil protection and disaster risk management“ unterstützte TIP von 2018-20 die Peer Reviews innerhalb des UCPM methodisch und organisatorisch. Mitarbeitende von TIP erstellten beispielsweise den analytischen Rahmen für die Begutachtung nationaler Zivil- und Katastrophenschutzsysteme. Dabei galt es, ein komplexes System auf seine grundlegenden Prozesse hin herunter zu brechen und so erfassbar zu machen. Darauf aufbauend entwickelte TIP einen Fragebogen, der die Experten bei ihren Missionen anleiten sollte. Zusammen mit dem Projektpartner Ecorys (NL) half TIP auch bei der Vorbereitung und Durchführung der verschiedenen Missionen. So wurden beispielsweise detaillierte Länderberichte erarbeitet und zusammen mit nationalen Ansprechpartnern die Agenda der Missionen sowie die zu führenden Gespräche mit relevanten Stakeholdern vor Ort geplant. Natürlich wurden die Missionen dann auch begleitet. Im Nachgang der Missionen unterstützte TIP schließlich die Experten beim Verfassen der Projektberichte. Im Januar fand schließlich eine Abschlusskonferenz zur Sammlung von Erfahrungswerten aus dem Projekt statt, zu der alle beteiligten Experten und nationalen Ansprechpartner eingeladen waren.

Das Projekt trug stark zum Ausbau des Netzwerks bei. Der methodische Lerngewinn, besonders bei der Analyse komplexer Prozesse, war ebenfalls enorm. Vor allem im Gedächtnis bleiben aber die Eindrücke aus den verschiedenen Ländern. Wir besuchten mit Tunesien ein Land mitten in der Demokratisierung und dem Versuch, transparenter zu werden, und mit Algerien ein Land im Umbruch und im Versuch, sich zu modernisieren. In Nordmazedonien und Serbien sah man den Versuch, eigene Standards zu erhöhen und den Anforderungen als EU-Beitrittskandidat gerecht zu werden. In Portugal, welches sein Zivil- und Katastrophenschutzsystem nach verheerenden Waldbränden überarbeitet hat, stand die Bewertung dieser Umstrukturierung im Vordergrund. Und in Zypern sahen wir Akteure, die versuchten aus wenig Beachtung und begrenzten Ressourcen das bestmögliche zum Schutz der Bevölkerung zu machen.

Diese Eindrücke bereichern die tägliche Arbeit aller Beteiligten auch nach Ablauf des Projekts. Sie helfen, Dinge im Kontext zu sehen, Prozesse besser zu analysieren und wertschätzen zu können, wenn sie trotz Verbesserungspotenzial auch funktionieren. Und sie bestärkt die Weisheit: es ist besser, miteinander als übereinander zu reden.

Die fertigen Berichte sind im Internet unter https://ec.europa.eu/echo/what-we-do/civil-protection/peer-review_en abrufbar.