Wehrtechnische Zukunftsanalyse

Auf einen Blick

 

Im Geschäftsfeld Wehrtechnische Zukunftsanalyse (WZA) sind alle Leistungen zusammengefasst, die die aus einem interdisziplinären Team von Naturwissenschaftlern und Ingenieuren bestehende Abteilung Technologieanalysen & Strategische Planung (TASP) für das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) und dessen nachgeordneten Amtsbereich, namentlich das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) und das Planungsamt der Bundeswehr (PlgABw), erbringt. Die technologieorientierte Zukunftsforschung des Geschäftsfelds dient dazu, bei den Kunden verlässliches Orientierungs- und Entscheidungswissen über wahrscheinliche Zukunftsentwicklungen in Naturwissenschaft und Technik sowie deren wehrtechnische und militärische Implikationen herzustellen. Dazu gehören insbesondere die Früherkennung neuer technologischer Entwicklungen im Rahmen eines breit angelegten Technologie-Monitorings, die Identifikation von damit verbundenen Chancen und Risiken und die für einen Kundennutzen unabdingbare auftraggeberspezifische Technologiebewertung. Dieses Zukunftswissen dient den Auftraggebern als Grundlage für die eigene Planung. Der Planungsunterstützung dienen außerdem die Beobachtung und Analyse internationaler Planungsprozesse und ‑strategien sowie die Erarbeitung von Empfehlungen für die Berücksichtigung dieser Erkenntnisse in den nationalen Planungsprozessen.

Zur Unterstützung des Integrierten Planungsprozesses (IPP; u.a. im Teilprozess kontinuierliche Zukunftsentwicklung) stellen wir folgende wissenschaftlichen Methoden bereit: wissenschaftliche Zukunftsanalyse, nichttechnische Studienarbeit, CD&E-Studienarbeit. Ein herausragendes Projekt des Geschäftsfeldes WZA ist die »Wehrtechnische Vorausschau (WTV)«. In dieser werden kontinuierlich aktuelle Technologiethemen bezüglich Forschungsstand, Zukunftspotenzial und Implikationen für die F&T-Planung von BMVg und BAAINBw analysiert und Empfehlungen für die F&T-Planung und die Fähigkeitsentwicklung erarbeitet. Damit bringt das INT seine Erkenntnisse und Empfehlungen in die frühen Phasen des CPM (nov.) ein.

Unsere Erfahrung

 

Das Fraunhofer INT hat seit seiner Gründung als Fraunhofer-Institut im Jahr 1974 den Grundauftrag, das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) in allen Fragen zu technologischen Entwicklungen und deren Implikationen für die F&T-Planung zu beraten. Arbeiten im Rahmen dieses Grundauftrags werden im Geschäftsfeld WZA gebündelt.

Die Leistungen des Geschäftsfelds WZA werden von Wissenschaftlern und Ingenieuren erbracht, die teilweise langjährige Erfahrung auf dem Gebiet der Analyse, Prognose und Bewertung von technologischen Entwicklungen mit möglicher Bedeutung für die langfristige F&T-Planung des BMVg besitzen. In der Summe können die 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Abteilung Technologieanalysen und Strategische Planung (TASP) eine flächendeckende Fachkompetenz in allen relevanten naturwissenschaftlich-technischen Gebieten darstellen, die durch eine umfassende Methoden- und Prozesskompetenz in der Zukunftsforschung ergänzt wird. Die interdisziplinäre Einbeziehung dieser breiten naturwissenschaftlich-technischen Wissensbasis von TASP in die Untersuchung von Technologiethemen ermöglicht uns sowohl beim Gesamtüberblick als auch bei der Einzelanalyse technologischer Zukunftsentwicklungen eine hohe Vorausschauqualität. Zu deren Sicherstellung dienen der regelmäßige Austausch mit nationalen und internationalen Kooperationspartnern, aber auch interne Peer-Review-Verfahren.

Unsere Leistungen im Geschäftsfeld WZA sind national etabliert und international anerkannt. Durch die kontinuierliche Mitwirkung in relevanten nationalen und internationalen F&T-Gremien (EDA, NATO) im Auftrag des BMVg sowie durch die Bearbeitung von Projekten für BMVg, BAAINBw, PlgABw, aber auch für EDA, EU-Kommission und europäische Kooperationspartner, sind wir seit langer Zeit gut vernetzt. Die institutionelle Förderung durch das BMVg ermöglicht uns dabei eine verlässliche Bereitstellung der erforderlichen Fähigkeiten und Kenntnisse sowie insbesondere eine interessenneutrale Technologiebeurteilung. Aufgrund der langjährigen, engen Zusammenarbeit mit dem BMVg und seinen nachgeordneten Dienststellen und der daraus resultierenden, vertieften Kenntnis der Strukturen, Prozesse und Bedarfe dieser Auftraggeber können wir unsere Forschungsergebnisse und ihre Darstellung in optimaler Weise auf die individuellen Bedürfnisse des jeweiligen Auftraggebers zuschneiden.

Unsere Leistung

 

Als unabhängige und interessenneutrale Mittler zwischen Planern und Entscheidungsträgern einerseits sowie Technologen und Fachwissenschaftlern andererseits ermöglichen wir unseren Auftraggebern einen »Blick über den Tellerrand« (»out of the box«).

Im Einzelnen bieten wir folgende Leistungen an:

  • Technologiefrüherkennung und übergreifende Technologievorausschau für wehrtechnische Anwendungen in der gesamten technologischen Breite
  • Vertiefte Analysen einzelner Technologiethemen (Beschreibung/Abgrenzung, Prognose, Umfeld, Folgen, Handlungsempfehlungen), auch mittels quantitativer Methoden (Bibliometrie, Patento­metrie, Data Mining, Text Mining)
  • Kurzgutachten/Ad-hoc-Stellungnahmen zu einem eng definierten technologischen Thema
  • Technologische Beurteilung/Beiträge zur Erarbeitung von Fähigkeitsforderungen
  • Technologiebewertung gemeinsam mit dem Auftraggeber mittels verschiedener Methoden des »Assessment Gamings«
  • Partizipative Stakeholder-Zukunftsworkshops, systematische Expertenbefragungen (z.B. mittels Delphi-Methode)
  • Analysen internationaler F&T-Planungen und -Strategien sowie internationaler Kooperationen und Kooperationsmöglichkeiten, planerische Bewertung von Technologien, F&T-Länderberichte
  • F&T-Informationssysteme

Vorgehensweise & Methoden

 

Grundlage für unser methodisches Vorgehen ist die Erkenntnis, dass für die Zukunft zu erwartende technische Lösungen in der Regel nur dann realisierbar sind, wenn sie bereits heute in den Forschungslabors vorbereitet werden. Daher erstreckt sich unsere Informationsrecherche auch auf Primärliteratur über Einzelergebnisse der Grundlagenforschung. Im Mittelpunkt steht die Identifikation sog. technologischer Kernthemen sowie die Prognose von deren erwarteter Zukunftsentwicklung. Damit sind Forschungs- bzw. Entwicklungsthemen gemeint, die eine große Dynamik und ein großes Anwendungspotenzial aufweisen und die mit einem hinreichend großen (ggf. steigenden) Aufwand vorangetrieben werden. Zu diesen Kernthemen werden einzelne Trendaussagen generiert, d.h. Einzelaussagen zu für die Zukunft erwartetem Reifegrad, Bedingtheiten, Anwendungen und Verbreitungsgrad der Technologie. Weiterhin werden der technologische Kontext eines solchen Kernthemas sowie die wesentlichen Forschungsakteure ermittelt.

Methodisch stehen Scanning und Monitoring, also die ungerichtete und die gerichtete Suche nach geeigneten Themen und Aussagen, im Vordergrund. Dabei sorgt eine themenfeldübergreifende wissenschaftliche Recherchekompetenz für eine wissenschaftliche Fundierung der erhaltenen Ergebnisse. Zentrales Element ist ein kontinuierliches systematisches Screening von sog. Schlüsselquellen. Damit sind solche Quellen gemeint (i. Allg. Fachzeitschriften), bei deren Kenntnisnahme insgesamt erwartet werden kann, keine wesentliche Technologieentwicklung zu verpassen. Eine Garantie für lückenlose Technologiefrühaufklärung bietet das Schlüsselquellen-Screening natürlich nicht, weshalb es durch weitere Vorgehensweisen ergänzt wird.

Unterstützend werden weitere Methoden eingesetzt, um zusätzliches Wissen zu generieren, vorhandene Abschätzungen zu erhärten, die Darstellbarkeit/Vermittelbarkeit von Ergebnissen zu verbessern oder einer übereinstimmenden Lagebeurteilung wichtiger Prozessteilnehmer durch Partizipation näherzukommen. Dazu zählen die Bibliometrie bzw. Szientometrie (also das statistische »Vermessen« von Publikations- und Zitieraktivitäten), Keyword-Analysen, Data Mining und Text Mining, Expertenbefragungsmethoden (z.B. die Delphi-Methode) sowie verschiedene partizipative, d.h. durch einen strukturierten Dialog mit Experten und Nutzern gekennzeichnete Verfahrensweisen.

Im Bereich der Bibliometrie verfügen wir über eine selbstentwickelte Software-Toolbox, die es uns ermöglicht, spezifische Charakteristika wissenschaftlicher Forschungsthemen zu analysieren, um daraus Hinweise auf die erwartbare zukünftige Entwicklung zu gewinnen (»Trendarchäologie«).

 

Zu unserer Arbeitsweise und den dabei zu berücksichtigen Aspekten erfahren Sie mehr in:
M. Grüne: Technologiefrühaufklärung im Verteidigungsbereich. In: R. Popp, A. Zweck (Hrsg.): Zukunftsforschung im Praxistest, S. 195-230. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2013. (Zukunft und Forschung Band 3).- DOI 10.1007/978-3-531-19837-8_9.
Verfügbar unter: http://publica.fraunhofer.de/dokumente/N-230254.html

Einen Praxisvergleich unterschiedlicher methodischer Ansätze bei der Identifizierung relevanter Technologiethemen enthält folgender Bericht:
J. Burbiel, R. Schietke: ETCETERA – Evaluation of Critical and Emerging Security Technologies for the Elaboration of a Strategic Research Agenda. Final Report. Fraunhofer INT, Euskirchen 2014.
Verfügbar unter: http://www.etcetera-project.eu/

Projekte

Neue Technologien

Das Fraunhofer INT berichtet regelmäßig in der Zeitschrift "Europäische Sicherheit & Technik" über neue Technologien