Arbeiten mit Behinderung am Fraunhofer INT

Am Fraunhofer INT sind Vielfalt und Tolleranz ein essenzieller Teil der Unternehmenskultur. Bei uns können Menschen mit Behinderungen ihre Kompetenzen und Stärken uneingeschränkt entfalten und sind ein selbstverständlicher Teil des Unternehmens.

Für die Interessen der Mitarbeitenden mit Behinderung am Fraunhofer INT setzt sich die Schwerbehindertenvertretung ein. Diese Position hat Dr. Marcus John inne. Im Interview beantwortet er einige Fragen zum Thema.

 

Bild Arbeiten mit Behinderung am INT

Interview mit Dr. Marcus John

Schwerbehindertenvertretung am Fraunhofer INT

Was sind Aufgaben der Schwerbehinderten-Vertretung (SBV)?

Im Sozialgesetzbuch IX (SGB IX) regelt der Gesetzgeber alles, was mit der Rehabilitation und der Teilhabe von Menschen mit einer Behinderung zu tun hat. Dort sind auch die Aufgaben der Schwerbehindertenvertretung (SBV) festgelegt. In der Praxis heißt das konkret, dass man als SBV zunächst auf die Einhaltung dieser gesetzlichen Regeln zu achten hat. Das betrifft zum Beispiel Einstellungsverfahren. In diesen achtet die SBV darauf, dass keine Diskriminierung stattfindet. 

Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt betrifft die Bereitstellung von Hilfsmitteln, wenn beispielsweise technische Hilfsmittel angeschafft werden müssen, um die Integration eines schwerbehinderten Mitarbeitenden zu erleichtern. Von großer Bedeutung ist dabei oft, Informationen über die Belange und Bedürfnisse betroffener Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiter zu geben bzw. diese dabei zu unterstützen. Denn meist sind schwerbehinderte Kolleginnen und Kollegen die besten Experten in eigener Sache. Sie wissen oftmals besser als jede DIN-Norm oder auch die SBV, was sie konkret benötigen und was ihnen hilft. Daher ist es von zentraler Bedeutung mit den Betroffenen zu reden und nicht über sie hinweg zu entscheiden. 

 

Gibt es Besonderheiten bei der Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen?

Das ist sehr unterschiedlich, denn wie es im rheinischen Grundgesetz heißt: „Jeder Jeck ist anders!“. Es gibt einfach sehr viele unterschiedliche Arten von Behinderungen. Dadurch entstehen diverse Bedürfnisse, die man auf sehr verschiedene Art und Weise angehen muss. Für eine Person, die im Rollstuhl sitzt, stellen Stufen ein unüberwindbares Hindernis dar. Diese sind für Hörbehinderte kein Problem, dafür aber die Telefonkonferenz. Diese ist aber für den Gehbehinderten keine große Herausforderung. Sehbehinderte kommen mit Telefonkonferenzen gut zurecht, für sie sind dann aber die Präsentationen, die parallel dazu gezeigt werden, kaum oder gar nicht zu erkennen.

All dies muss man als SBV berücksichtigen und den Leuten erklären. Diese sind meist selbst nicht betroffen und denken manchmal einfach nicht daran, dass bestimmte Tätigkeiten, die für sie als Normalos selbstverständlich sind, für andere eine große Herausforderung sind. Daher ist eine wichtige Aufgabe der SBV, hier Aufklärungsarbeit zu leisten.

 

Wenn Du auf den Alltag schaust – was wünschst Du Dir für die Zukunft?

Was die bauliche und auch die technische Ausstattung angeht, haben wir am Fraunhofer INT einen sehr guten Status Quo erreicht. Bei den Umbaumaßnahmen der letzten Jahre wurden viele Barrieren beseitigt. Wir arbeiten gemeinsam mit der Institutsleitung daran, diesen Weg fortzusetzen.

Ich persönlich erlebe es so, dass meine Behinderung nie ein dominierendes Thema ist. Falls es doch mal nötig sein sollte, wird mit Hilfsbereitschaft und Rücksicht damit umgegangen. Diesen Weg möchte ich gerne weiter gehen und ihn auch anderen ermöglichen.

 

Welche Rolle spielt Technik bei der Überwindung von Barrieren?

Technologien spielen natürlich eine sehr wichtige Rolle bei der Überwindung von Barrieren. Eine der einfachsten Technologien ist eine Rampe, um Treppen zu umgehen. Mittlerweile gibt es natürlich viel ausgefeiltere Ansätze wie Arm- und Beinprothesen oder auch Prothesen, die den ausgefallen Hörsinn ersetzen können. Meist funktioniert das biologische Original natürlich besser als die Kopie. Insgesamt ist man da aber schon sehr weit in der Entwicklung.

Technik ist aber kein Allheilmittelt, denn sie nützt uns nichts, wenn wir nicht einander mit Respekt und Rücksicht begegnen. Oftmals bleiben immer noch Einschränkungen bestehen oder die Technik fällt auch mal aus. Das Zusammenspiel von Behinderung, Technik und Gesellschaft ist ein spannendes Thema, worüber man vermutlich stundenlang debattieren kann. Wie wichtig solche Fragen sind, zeigt übrigens auch das Projekt SHAPES, welches derzeit von einigen Kolleginnen und Kollegen am Fraunhofer INT bearbeitet wird. Hier geht es darum, durch technologische Lösungen das Wohlbefinden und die Gesundheit der älteren Bevölkerung zu verbessern.