Indikatorenbasiertes Modell für die prospektive Technologieakzeptanz-Abschätzung

Am Lehrstuhl für Technologieanalysen und -vorausschau der RWTH Aachen University, der an das Fraunhofer Institut für Naturwissenschaftlich- Technische Trendanalysen (INT) angegliedert ist, wurde das Promotionsverfahren von Stephanie Hansen-Casteel unter dem Titel „Indikatorenbasiertes Modell für die prospektive Technologieakzeptanz-Abschätzung“ erfolgreich abgeschlossen.

Die Akzeptanz neuer Technologien und Produkte gewinnt im Zuge beschleunigter Innovationszyklen insbesondere für die Entwickelnden neuer Technologien zunehmend an Bedeutung. Trotz dieser steigenden gesellschaftlichen Relevanz existierte bislang kein ganzheitliches Technologie-Akzeptanz-Modell, das eine dynamische (technologieunabhängige) und prospektive Akzeptanzmessung einer Technologie ermöglicht. Diese Lücke wird durch die Forschungserkenntnisse der Dissertation geschlossen. Das entwickelte Modell ist so konzipiert und gestaltet, dass bereits während technologischer Entwicklungsprozesse und anhand von validen Indikatoren Rückschlüsse auf die Akzeptanz der Technologie gezogen werden können. Dadurch ist es in agiler Weise möglich, flexible, nutzerorientierte Anpassungen in Bezug auf die Technikgestaltung (z. B. bei Tracking Apps im Zusammenhang mit der Corona Pandemie) vorzunehmen. Der Aspekt der Dynamik bezieht sich auf die notwendige technologieübergreifende Anwendbarkeit des Modells.

Wichtige Bestandteile des Modells sind Indikatoren bzw. Indikatorencluster (Technologie, Nutzer, Umfeld), die den Grad der Akzeptanz in Bezug auf technologische Innovationen mess- und damit einschätzbar machen. Der so generierte Indikatorenkatalog kann als Instrument zur prospektiven Akzeptanzmessung angewendet werden und unterstützt eine bewusstere, nutzerorientierte Einführung von technologischen Innovationen in den Markt.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist eine Auswahlsystematik, die auf den technologiespezifischen Indikatorenkatalog angewendet wird und in die auch zukünftige Nutzer*innen eingebunden sind. Anhand dieser Systematik werden je nach Technologie die relevanten Indikatoren für die Abschätzung der Akzeptanz identifiziert (z. B. Bedienfreundlichkeit). Teil des Auswahlprozesses ist die Präsentation der technologischen Innovation bei den Nutzern mit Hilfe von Informationsmaterialien, Prototypen und/oder Mock-Ups. Dieser Prozess versetzt die potenziellen Nutzer in die Lage, eine umfassende Vorstellung von der Technologie sowie dem praktischen Anwendungsfall zu entwickeln und unterstützt damit eine passgenaue Auswahl der relevanten Indikatoren.

Die Anwendbarkeit des Modells wurde durch die Begleitung der Einführung einer neuen Technologie (Infoplattform neue Technologien – IPNT) am Fraunhofer INT prospektiv und retrospektiv sowie anhand statistischer Analyseverfahren geprüft.

Die gewonnenen Erkenntnisse der Dissertation leisten einen signifikanten Beitrag zur Akzeptanzforschung, da gezeigt werden konnte, dass die Akzeptanz neuer Technologien durch das entwickelte Vorgehensmodell valide abgeschätzt werden kann. Diese Erkenntnis lässt sich in vielfältiger Weise zur Bewältigung technologischer und gesellschaftlicher Herausforderungen nutzen und auf weitere Anwendungsbereiche übertragen. So kann das entwickelte Modell insbesondere bei technologischen Innovationen, z. B. in den Bereichen Mobilität, E-Commerce oder Soziale Robotik, eingesetzt werden. Technologien, die für die Modellanwendung geeignet sind, weisen die Gemeinsamkeit auf, dass sie sich noch im Entwicklungsprozess befinden. Durch die Modellanwendung können Entwickler*innen prospektiv und proaktiv Änderungen im Entwicklungsprozess vornehmen.

Das erarbeitete Akzeptanzmodell bietet demnach einerseits das Potential, (Entwicklungs-)Zeit und damit (Entwicklungs-)Kosten einzusparen, andererseits können die sich in der Entwicklung befindlichen Technologien stärker auf die Bedürfnisse der Nutzer*innen zugeschnitten werden. Dadurch werden verschiedene positive Effekte erzielt, wie z. B. höhere Kundenzufriedenheit, erhöhter Nutzenwert, passgenauere Anwendungsmöglichkeiten, höhere Problemlösefähigkeit etc.. Das Modell lässt sich in diesem Sinne grundsätzlich auf jede neu zu entwickelnde Technologie übertragen und bietet damit ein weites Anwendungsfeld.