50 Jahre Fraunhofer INT

Als eines der vielfältigsten Institute der Fraunhofer-Gesellschaft vereint das Fraunhofer INT eine große Bandbreite an verschiedenen Forschungsthemen und Kompetenzen. Das Institut beschäftigt sich im Rahmen der Innovationsforschung mit Zukunftstechnologien und aufkommenden technologischen Trends. Darauf basierend berät das Institut Unternehmen, Ministerien und andere öffentliche Stellen bei der Entscheidungsfindung.

Außerdem forscht das Fraunhofer INT im Bereich der Strahlungseffekte. Mithilfe modernster Messtechnik werden die Auswirkungen von ionisierender und elektromagnetischer Strahlung auf elektronische Bauteile und verschiedene Detektionsmethoden untersucht.

Das Portfolio an Forschungsthemen am Fraunhofer INT ist über die Jahre immer weiter gewachsen. Neben dem Ausbau der Ursprungsthemen, der Erforschung von Kernwaffeneffekten und der technologischen Trendanalyse, sind in den letzten Jahren auch Forschungsfelder wie Katastrophenmanagement oder Raumfahrt in den Fokus gerückt.

Chronik des Fraunhofer INT

Angefangen als Arbeitsgruppe zur Untersuchung von Kernwaffen der Universität Kiel wurde das Institut 1974 unter dem jetzt bekannten Namen in die Fraunhofer-Gesellschaft aufgenommen. Damit feiert das Fraunhofer INT dieses Jahr sein 50-jähriges Jubiläum. Die Chronik gibt einen Überblick über Highlights, herausragenden Ereignisse und bedeutenden Meilensteine, die sich in den vergangenen 50 Jahren am Fraunhofer INT ereignet haben.

Vorgeschichte

Seinen Ursprung hat das Fraunhofer INT in einer Arbeitsgruppe am Institut für Reine und Angewandte Kernphysik der Universität Kiel, die sich mit dem Nachweis und der Wirkung von Kernwaffen verursachter Strahlung beschäftigt hat. Die Arbeitsgruppe wird in das Institut für Strahlenschutz (IfS) überführt und eine Abteilung »Trendanalysen und Prognosen« gegründet.

Außenstelle des Instituts für Reine und Angewandte Kernphysik
NEMP-Simulator

1965

Im Auftrag des Bundesministeriums der Verteidigung und mit Verwaltungshilfe der Fraunhofer-Gesellschaft wird eine Arbeitsgruppe am Institut für Reine und Angewandte Kernphysik der Universität Kiel gegründet. Die Arbeitsgruppe unter der Leitung von Prof. Dr. Erich Bagge hat die Aufgabe, grundlegende Untersuchungen zur Ausbreitung, Detektion und Wirkung von Neutronen- und Gammastrahlung von Kernwaffen durchzuführen. Der Anlass für diese Forschung sind gemeinsame Rüstungsvorhaben der Bundesrepublik Deutschland mit ihren Verbündeten.

1968

In Stohl bei Kiel entsteht eine Außenstelle des Instituts für Reine und Angewandte Kernphysik, um die nationale Urteilsfähigkeit im Bereich der Kernwaffen und Kernwaffenwirkungen zu stärken.

Das Aufgabenspektrum wird erweitert, insbesondere um den Nuklearen Elektromagnetischen Impuls (NEMP) als eine zusätzliche Komponente der Wirkung von Kernwaffen. In diesem Rahmen wird der erste deutsche NEMP-Simulator für Labortests entwickelt.

1970

Die Außenstelle in Stohl bei Kiel löst sich organisatorisch von der Universität Kiel und operiert fortan unter dem neuen Namen »Institut für Strahlenschutz (IfS)«. Gleichzeitig werden Verhandlungen über eine mögliche Aufnahme in die Fraunhofer-Gesellschaft eingeleitet.

1973

Eine neue Abteilung mit dem Namen »Trendanalysen und Prognosen« wird aufgebaut, um das zuständige Referat des Bundesministeriums für Verteidigung bei der Erstellung der wehrtechnischen Vorausschau zu unterstützen.

Etablierung als Fraunhofer-Institut und Umzug nach Euskirchen

In den ersten Jahren als Institut der Fraunhofer-Gesellschaft ist das Fraunhofer INT nach Euskirchen umgezogen und musste dort zunächst die Personalressourcen, die durch den Umzug deutlich geschrumpft waren, wieder auffüllen. Diese Jahre sind außerdem geprägt von zahlreichen Um- und Ausbauarbeiten

Dr. Gerhard Locke
Dr. Klaus Grünewald
Röntgenblitzanlage

1974

Gründung Fraunhofer INT

Das Institut für Strahlenschutz wird offiziell unter dem neuen Namen »Fraunhofer-Institut für Naturwissenschaftlich-Technische Trendanalysen (INT)« in die Fraunhofer-Gesellschaft und in die institutionelle Förderung des Bundesministeriums für Verteidigung übernommen. Gleichzeitig werden Gespräche über die Verlagerung des Instituts in den Großraum Bonn eingeleitet.

1975

Dr. Gerhard Locke wird zum ersten Institutsleiter des Fraunhofer INT berufen.

1976

Das Institut beteiligt sich an der amerikanischdeutschen Studie über taktische, strukturelle und militärstrategische Auswirkungen zukünftiger Waffentechnologien. Das umfasst unter anderem die Entwicklung von Aufklärungs- und Zielbekämpfungsmodellen sowie die Ausarbeitung des Mini-Szenarien-Konzepts.

1977

Die verstärkte Integration sämtlicher Arbeitsbereiche des Fraunhofer INT in die Planungsaktivitäten des Bundesministeriums für Verteidigung macht eine Verlagerung des Instituts notwendig. Die Entscheidung fällt auf die Räumlichkeiten des ehemaligen belgischen Offizierswohnheims in Euskirchen. Dementsprechende Bauanträge werden gestellt und Instandsetzungsarbeiten beginnen.

1979

Das Institut in Stohl wird geschlossen. Durch die Verlagerung des Fraunhofer INT gehen etwa 40 Prozent des wissenschaftlichen Personals und 70 Prozent des nichtwissenschaftlichen Personals verloren.

1982

Dr. Klaus Grünewald wird neuer Institutsleiter.

Am 10. November 1982 findet die offizielle Einweihung des Instituts statt, nachdem die Bau- und Ausbaumaßnahmen abgeschlossen wurden. Damit wird die experimentelle Arbeitsfähigkeit des Fraunhofer INT wiederhergestellt.

1983

Nach dem Umzug wird der Betrieb des Neutronengenerators und der Röntgenblitzanlage zur Untersuchung von Strahlungsempfindlichkeit von Lichtwellenleitern sowie optoelektronischen Bauteilen und Komponenten wieder eingeleitet.

Ausbau im Bereich der Strahlungseffekte

Das Fraunhofer INT baut seine experimentellen Möglichkeiten zur Untersuchung von Strahlungseffekten weiter aus. Das ist vor allem vor dem Hintergrund des Reaktorunfalls in Tschernobyl von großer Bedeutung.

Cobalt-60-Bestrahlungsanlage
Dr. Klaus-Dieter Leuthäuser

1986

Als Folge des Reaktorunfalls von Tschernobyl am 26. April 1986 kommt es auch im Kreis Euskirchen zu messbaren Mengen radioaktiven Niederschlags. Aufgrund des Fachwissens und der vorhandenen Messgeräte kann das Fraunhofer INT die örtlichen Behörden bei ihrer Risikoeinschätzung unterstützen.

Im abgeschirmten Bereich der Experimentierhalle wird eine Cobalt-60-Bestrahlungsanlage für Langzeit-Gammabestrahlungen mit hohen Dosiswerten installiert.

1987

Prof. Dr. Hans-Werner Gottinger wird neuer Institutsleiter des Fraunhofer INT.

1988

Nach fast 10 Jahren wird die endgültige Betriebsgenehmigung für den Neutronengenerator erteilt.

1989

Dr. Klaus-Dieter Leuthäuser wird zum Institutsleiter berufen.

1990

Tätigkeiten zu Untersuchung der Bedrohung von elektronischen Geräten und Systemen durch Hochleistungsmikrowellen beginnen.

1991

Das Fraunhofer INT untersucht Technologien im Zusammenhang mit Kernwaffen in Schwellenländern und erforscht gleichzeitig die Optionen für die Konversion von Kernwaffenmaterial.

1992

Untersuchungen zur Einkopplung und Empfindlichkeit von Hochleistungsmikrowellen intelligenter Munition beginnen.

Im Rahmen des Projektes »Verifikation von Kernwaffen« beginnt die Beschaffung von Detektoren und eines transportablen Neutronengenerators.

Fokus auf Verteidigungs- und Sicherheitsforschung

Das Fraunhofer INT feiert sein 25-jähriges Bestehen. Mit der Gründung und dem Beitritt zum Fraunhofer- Verbund Verteidigungs- und Sicherheitsforschung intensiviert das Institut seine Tätigkeiten in diesem Bereich.

Prof. Dr. Uwe Wiemken

1997

Als Erweiterung der Kernstrahlungssimulationsmöglichkeiten wird im Forschungszentrums Jülich ein Protonen-Bestrahlungsplatz zur Simulation der Strahlenbelastung von Satelliten in Umlaufbahnen eingerichtet.

Im selben Jahr wird eine mobile Hochleistungsmikrowellen-Bestrahlungsanlage aufgebaut und in Betrieb genommen. Außerdem beteiligt sich das Fraunhofer INT an einer Studie auf dem Gebiet der Elektromagnetischen Verträglichkeit.

1999

Das Fraunhofer INT feiert seinen 25. Geburtstag als Fraunhofer-Institut in Anwesenheit des Präsidenten der Fraunhofer-Gesellschaft, Prof. Dr. Hans-Jürgen Warnecke.

2001

Prof. Dr. Uwe Wiemken wird Institutsleiter.

2003

Gründung des Verbundes »Verteidigungs- und Sicherheitsforschung« der Fraunhofer-Gesellschaft. Das Fraunhofer INT ist Gründungsmitglied.

Das erste Symposium »Nukleare und radiologische Waffen« für Amtsträger aus dem nationalen Sicherheitsbereich wird durchgeführt.

Steigendes Raumfahrtinteresse am Fraunhofer INT

Das Thema Raumfahrt wird am Fraunhofer INT immer präsenter – die Workshop-Reihe „Herausforderung Weltraum“ und die Fraunhofer-Allianz Space werden ins Leben gerufen.

Spatenstich durch Prof. Dr. Uwe Wiemken
Prof. Dr. Dr. Michael Lauster

2006

Während der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland stellt das Fraunhofer INT den öffentlichen Sicherheitsbehörden Messausrüstungen und Personal zur Verfügung, um die Sicherheit vor nuklearen terroristischen Bedrohungen zu gewährleisten. Die Einsatzbereitschaft wird in einer großen Anzahl von Feldübungen sichergestellt und während der Weltmeisterschaft herrschte Rufbereitschaft.

2007

Am 13. und 14. November findet der erste Workshop »Herausforderung Weltraum – Unterstützung bei der Umsetzung von Strahlungsanforderungen an Raumfahrt-Komponenten« statt.

2010

Auf einer Konferenz werden erstmals Entwicklungen des HPM-Detektors veröffentlicht.

Das Fraunhofer INT expandiert. Erster Spatenstich für den Neubau des Bürogebäudes durch Prof. Dr. Wiemken.

2012

Prof. Dr. Dr. Michael Lauster wird Institutsleiter.

2013

Für die Untersuchung von Bestrahlungen bei tiefen Temperaturen kommt erstmals ein Kryostat zum Einsatz.

2014

Das Fraunhofer INT veröffentlicht die Studie »Pandemische Influenza in Deutschland 2020 – Szenarien und Handlungsoptionen«.

Gründung der Fraunhofer-Allianz Space mit dem Auftrag die vielfältigen Weltraum-Aktivitäten innerhalb der Fraunhofer-Gesellschaft zu bündeln. Die Allianz fungiert als zentraler Ansprechpartner für Kunden und Projektpartner. Prof. Dr. Dr. Michael Lauster wird Sprecher der Allianz.

Expansion und Flutkatastrophe

Das Fraunhofer INT wächst weiter. Es wird eine neue Experimentierhalle gebaut und im Rahmen eines Investitionsprogramms mit dem Bundesministerium der Verteidigung startet die Modernisierung der experimentellen Infrastruktur des Instituts. Die Flutkatastrophe im Jahr 2021 unterbricht diese Initiativen für eine Weile, bis der Wiederaufbau aufgenommen wird.

Pikosekundenlaser
Flutkatastrophe
Onboard Radiation Sensor

2017

Zertifizierung für die Einhaltung des Qualitätsmanagement-Standards ISO 9001:2008. Das Zertifikat bezieht sich auf das wissenschaftliche Arbeiten zur Wirkungen nuklearer und elektromagnetischer Strahlung .

Außerdem starten die ersten Testreihen mit dem Pikosekundenlaser zur Kartierung von Single Event Effects.

Das Fraunhofer INT erhält eine Zuwendung vom Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr in Höhe von 1,2 Millionen Euro für das Assistenzsystem KATI.

In diesem Jahr wird zudem der »Fraunhofer-Verbund Innovationsforschung« gegründet. Das Fraunhofer INT ist eines von vier Gründungsmitgliedern.

2019

Beginn der Bauarbeiten zur Erweiterung der Experimentierhalle für Untersuchungen auf dem Gebiet der Elektromagnetischen Verträglichkeit.

2021

Fraunhofer INT und Digital Science kombinieren Technology Foresight Tool KATI und Dimensions-Daten und machen das KATI-System damit kommerziell nutzbar.

In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli überschwemmt eine Flutwelle, Euskirchen und das komplette Institutsgelände. Die Gebäude liegen zeitweise bis zu 86 cm unter Wasser, der Keller wird komplett überflutet.

2022

Fraunhofer-Allianz Space wird zur Fraunhofer AVIATION & SPACE mit der Geschäftsstelle SPACE am Fraunhofer INT.

2023

Der am Fraunhofer INT entwickelte Onboard Radiation Sensor (FORS) startet auf dem Heinrich-Hertz-Satelliten.